
Das fliegende UFO auf dem Schreibtisch: Luis Pérez de la Oliva und der Kult der spanischen Fase-Leuchten
Wenn Szenenbildner in Hollywood unmissverständlich Autorität, makellosen Mid-Century-Geschmack und einen Hauch von futuristischer Dynamik signalisieren wollen, greifen sie auffällig oft zu einer ganz bestimmten Leuchte. Sie platzieren sie auf dem massiven Schreibtisch des Protagonisten, wo sie wirkt, als würde eine fliegende Untertasse auf einer Startrampe aus Chrom und Edelholz auf ihren nächsten Einsatz warten. Die Rede ist von den legendären Fase-Leuchten, insbesondere dem ikonischen Modell „President“. Sie ist unverkennbar, physisch präsent und von einer fast einschüchternden Eleganz.
Die Geschichte dieses Designklassikers beginnt überraschenderweise nicht in den kreativen Epizentren Mailand, Paris oder New York, sondern im Spanien der 1960er Jahre. Im Jahr 1964 gründete der Designer Luis Pérez de la Oliva in Madrid das Unternehmen Fase (Industrias Fase). Spanien befand sich zu dieser Zeit noch tief in der Franco-Diktatur, einer Ära, die international nicht gerade für gestalterische Avantgarde oder wirtschaftliche Weltoffenheit bekannt war. Dennoch gelang es de la Oliva, gemeinsam mit seinem Partner Pedro Martín, eine Leuchtenkollektion zu entwerfen, die den optimistischen Zeitgeist des Space Age so präzise einfing wie kaum ein anderes Objekt. Sie brachen radikal mit den verschnörkelten, traditionellen Formen, die den spanischen Markt damals dominierten.
Was macht die Modelle wie die „President“ oder die „Boomerang 64“ bis heute so faszinierend? Zunächst ist es ihre kühne, fast schon architektonische Geometrie. Die Basis bildet ein schwerer, runder Fuß, der auf einem raffinierten Kugellagersystem ruht. Dieses unsichtbare mechanische Detail ermöglicht es, den gesamten Leuchtenkorpus mühelos um 360 Grad zu rotieren. Aus diesem massiven Fundament erhebt sich ein dynamisch nach vorn geneigter Arm. Hier zeigte Fase eine brillante Materialbeherrschung: Kaltes, hochglänzendes Chrom wurde elegant mit warmen Holzeinlagen – meist Eiche oder Nussbaum – kombiniert.
Der wahre visuelle und lichttechnische Höhepunkt ist jedoch der Leuchtenschirm. Er präsentiert sich als breite, flache Scheibe, die stark an ein aerodynamisches UFO erinnert. Im Inneren dieses Schirms verbirgt sich eine ausgeklügelte Lichttechnik. Anstatt die Glühbirnen einfach direkt auf die Arbeitsfläche strahlen zu lassen, installierte de la Oliva einen Diffusor aus hochwertigem, mattiertem Glas. Dieser Diffusor schirmte das Licht der beiden Leuchtmittel ab, brach es und verteilte es wunderbar weich. Das Ergebnis war ein absolut blendfreies, gleichmäßiges und nahezu schattenloses Licht, das für das stundenlange Lesen und Schreiben von Dokumenten geradezu perfekt war.
Die Fase-Leuchten waren eine Meisterklasse der Kontraste. Die industrielle Perfektion von lackiertem Stahl in klassischen Farben wie Schwarz, Anthrazit oder einem tiefen Bordeauxrot verschmolz mit organischen und metallischen Texturen. Sie strahlten eine maskuline, kraftvolle Eleganz aus, die sie schnell zum ultimativen Statussymbol in den Chefetagen und Ministerien machten. Sie verkörperten Geschwindigkeit, Fortschritt und den unbändigen Zukunftsoptimismus der Mondlandungs-Ära.
Dieser Mix aus Ästhetik und Funktionalität bescherte Fase einen enormen kommerziellen Erfolg. In den 1970er Jahren exportierte das Madrider Unternehmen seine Leuchten in über 32 Länder weltweit. Doch der Siegeszug endete abrupt mit der nächsten technologischen Revolution. Als in den 1980er Jahren die kompakte Halogenlampe den Markt eroberte, veränderte sich das Designparadigma. Gefragt waren plötzlich filigrane, hochtechnische und minimalistische Leuchten, wie Richard Sappers berühmte Tizio. Die wuchtigen, raumgreifenden Fase-Leuchten wirkten plötzlich wie Relikte einer vergangenen Epoche. Die Produktion wurde schließlich eingestellt, und die eleganten Schreibtisch-UFOs verschwanden in Archiven und auf Flohmärkten.
Doch gutes Design hat ein langes Gedächtnis. Im 21. Jahrhundert erlebten die Fase-Leuchten eine spektakuläre Renaissance. Es waren vor allem Set-Designer, die die dramatische Wirkung der Leuchte wiederentdeckten. Eine Fase „President“ zierte den Schreibtisch von Don Draper in der Kultserie Mad Men, sie tauchte in Filmen wie Indiana Jones auf und beleuchtete düstere Intrigen in House of Cards. Diese filmische Präsenz katapultierte die Leuchte aus der Vergessenheit direkt in den Olymp der Vintage-Sammlerstücke.
Heute sind die Originale von Luis Pérez de la Oliva hochbegehrte Objekte, die auf Auktionen Spitzenpreise erzielen. Sie erinnern uns an eine Zeit, in der die Zukunft glänzend, dynamisch und voller Möglichkeiten erschien. Mit der Fase-Leuchte schuf de la Oliva einen unsterblichen Archetypus des Lichtdesigns – ein Objekt, das einen Raum nicht nur erhellt, sondern ihn mit seiner bloßen Präsenz dominiert.