Lichtgeschichten

Einblicke in zwei Jahrhunderte Lichttechnik und Beleuchtung

Die Pilze des Space Age: Verner Panton und die sanfte Revolution der Panthella
Dienstag, 6. Januar 2026

Die Pilze des Space Age: Verner Panton und die sanfte Revolution der Panthella

Wenn man an dänisches Design der Mitte des 20. Jahrhunderts denkt, kommen einem meist Bilder von elegant geschwungenem Holz, nüchterner Funktionalität und handwerklicher Tradition in den Sinn. Doch es gab einen, der aus dieser Reihe tanzte, der die Welt nicht in Teak und Eiche, sondern in knalligen Farben, psychedelischen Mustern und futuristischen Kunststoffen sah: Verner Panton. Während seine Zeitgenossen an der perfekten Holzverbindung feilten, träumte Panton von einer Zukunft, die leuchtet. Sein wohl strahlendstes Vermächtnis in der Welt der Beleuchtung ist die 1971 entworfene „Panthella“ – eine Leuchte, die wie kaum ein anderes Objekt den Geist des „Space Age“ verkörpert und dabei eine verblüffende lichttechnische Raffinesse beweist.

Die Panthella entstand zu einer Zeit, als die Menschen begannen, ihre Wohnräume nicht mehr nur als funktionale Orte, sondern als emotionale Landschaften zu begreifen. Panton, der oft als das „Enfant terrible“ des dänischen Designs bezeichnet wurde, wollte eine Leuchte schaffen, die mehr war als nur eine Lichtquelle. Sie sollte eine Skulptur sein, ein Objekt, das auch im ausgeschalteten Zustand den Raum dominiert, ohne ihn zu erdrücken. Seine Vision war radikal: Eine Leuchte, bei der sowohl der Fuß als auch der Schirm als Reflektor dienen. Diese Idee brach mit der traditionellen Trennung von Leuchtenkörper und Leuchtmittelträger und schuf eine nahtlose Einheit aus Form und Funktion.

Das Design der Panthella ist auf den ersten Blick trügerisch simpel. Ein halbkugelförmiger Schirm ruht auf einem trompetenförmigen Fuß. Doch genau in dieser geometrischen Reduktion liegt die Genialität. Die weichen, organischen Kurven erinnern unweigerlich an einen Pilz – eine Form, die in den 1970er Jahren zum Symbol für Natürlichkeit in einer zunehmend künstlichen Welt wurde. Doch Panton ging es nicht nur um die biologische Assoziation. Die weiße Lackierung (oder das transluzente Acryl bei späteren Versionen) sorgt dafür, dass das Licht sanft nach unten geworfen wird, wo es auf den trompetenförmigen Fuß trifft. Dieser reflektiert das Licht erneut und verteilt es diffus im Raum. Das Ergebnis ist eine Beleuchtung, die vollkommen blendfrei ist und eine fast sphärische, schwebende Atmosphäre schafft.

Technisch gesehen war die Panthella eine Herausforderung. Panton wollte die Leuchte ursprünglich komplett aus Metall fertigen lassen, doch die technologischen Möglichkeiten der frühen 70er Jahre machten dies schwierig und teuer. In Zusammenarbeit mit dem legendären Leuchtenhersteller Louis Poulsen entschied man sich schließlich für Acrylglas. Dieses Material erlaubte nicht nur die perfekte Umsetzung der organischen Kurven, sondern trug auch zur einzigartigen Lichtwirkung bei. Bei der Version mit Acrylschirm dringt ein sanfter Schimmer durch das Material selbst, was der Leuchte eine innere Glühkraft verleiht, als würde sie aus sich heraus leben.

Die Panthella ist ein Paradebeispiel für Pantons Philosophie, dass man Farbe und Licht nutzen sollte, um die Wahrnehmung eines Raumes zu verändern. Im Gegensatz zu den strengen Lichtkegeln der Bauhaus-Ära oder den komplexen Lamellenkonstruktionen von Poul Henningsen, setzt die Panthella auf Emotion und Stimmung. Sie ist keine Arbeitsleuchte, die Schatten vertreibt, um Produktivität zu ermöglichen. Sie ist eine „Stimmungsmaschine“, die den Raum in eine weiche, fast surreale Hülle taucht. Sie passte perfekt zu den Sitzlandschaften und den tiefen Teppichen der 70er Jahre, hat aber dank ihrer zeitlosen Geometrie nichts an Relevanz verloren.

Heute gilt die Panthella als einer der populärsten Entwürfe Pantons. Sie steht exemplarisch für den Mut, neue Materialien wie Kunststoffe im Hochpreissegment zu etablieren und Licht nicht nur technisch, sondern atmosphärisch zu denken. In einer Ära, in der wir Leuchten oft nur nach Lumen und Energieeffizienz beurteilen, erinnert uns die Panthella daran, dass Licht auch eine Form der Magie ist – eingefangen unter einem Pilzschirm aus dem Weltraumzeitalter.